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Die katholische Kindertagesstätte - eine pastorale Chance

Eltern sind Missionare! Denn sie bringen als erste ihre Kinder mit dem Glauben in Berührung – oder auch nicht. Jedenfalls werden in der Familie wichtige Weichen gestellt in Richtung Glauben oder aber in Richtung Gleichgültigkeit und Unglauben. "Die Familie ist fast immer das Glaubensschicksal des Kindes." So hat es jedenfalls vor 30 Jahren die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland formuliert. Für die Weitergabe des Glaubens scheinen also die jungen Familien besonders wichtig zu sein.

Wo finden Sie in Ihrer Gemeinde junge Familien? Wo bekommen Sie ganz unproblematisch Kontakte? Natürlich in Ihrer Kindertagesstätte! Im Bistum Mainz gibt es 206 katholische Kindertagesstätten. Den Pfarrgemeinden, die eine solche Einrichtung haben, eröffnen sich dadurch große pastorale Chancen. Denn über drei Jahre und mehr ist eine kirchliche Einrichtung ein wichtiger Lebensort für Eltern und Kinder. Eltern, Kinder und Erzieherinnen sind die drei Zielgruppen, die die Arbeit in der Kindertagesstätte bestimmen.

Eltern

Manche Eltern bringen ihre Kinder bewusst in eine katholische Kindertagesstätte. Aber machen wir uns nichts vor, die meisten bringen sie, weil unsere Einrichtung in der Nähe ist, oder weil es nur die eine gibt. Wie dem auch sei, sie sind da. Und wenn Pfarrgemeinde und Kindertagesstätte gut zusammen arbeiten, können die Eltern viel über Glauben und Kirche lernen. Dies geschieht nicht nur in Elternabenden mit religiösen Themen, sondern vielmehr im normalen Kindergartenalltag, wenn:

  • vor dem Essen gebetet wird,
  • in Kindergartenfeste ein Gottesdienst integriert ist,
  • christliche Werte die Erziehung bestimmen,
  • der Kindergarten eine Rolle spielt bei Aktivitäten der Pfarrgemeinde,
  • eine kirchliche Einrichtung kompetent die Erziehung in der Familie ergänzt,
  • der Kindergarten am Familiengottesdienst teilnimmt,
  • die Pfarr – Caritas sich um Not von Familien kümmert,
  • das Kirchejahr im Kindergarten beachtet und gefeiert wird,
  • Pfarrer und Gemeindereferentin in der Einrichtung gesehen und gesprochen werden können,
  • viele Kontakte geknüpft werden können
  • Menschen Zeit füreinander haben.
  • Für manche Eltern sind dies erste Erfahrungen mit Kirche, für andere wieder Erfahrungen nach längerer Zeit. Und wir sollten alles daran setzen, dass diese Erfahrungen positiv sind.

Auch Familien anderer Religionen können durch unsere Einrichtung eine gute Erfahrungen von Christentum machen, was angesichts der verhärteten gesellschaftlichen Fronten nicht zu unterschätzen ist.

Kinder

Was in der Kindertagesstätte geschieht, ist für viele Kinder Erstverkündigung. Sie kennen von zuhause keine religiösen Zeichen, haben nie etwas von einem Jesus gehört und nie erlebt, dass ihre Eltern beten. In unserer Einrichtung können sie lernen, dass Religion etwas Wichtiges ist und etwas Schönes.

Sie können erleben, dass sie als Kinder im Gottesdienst bei der Gemeinschaft der Gläubigen willkommen sind. Sie erfahren, dass Pfarrgemeinde für viele Erwachsene, die sie kennen, wichtig ist, wenn, ja. wenn die Verhältnisse so sind. Der Pfarrgemeinderat ist dafür verantwortlich, dass die Verhältnisse so sein können.

Vor allem aber lernen die Kinder Werte, die aus dem Glauben entspringen, und die ihren Umgang mit den Menschen und der Welt prägen.

Erzieherinnen

Die Erzieherinnen – und auch der ein oder andere Erzieher – sind hauptamtliche Mitarbeiterinnen unserer Kirche. Das muss man sich mal klar machen, weil oft nur die pastoralen Berufe als kirchliche Berufe wahrgenommen werden. Und im Umgang mit Eltern und Kinder repräsentieren die Erzieherinnen in einer kirchlichen Einrichtung auch die Kirche. So gesehen ist ein guter Kontakt zwischen Pfarrgemeinderat und dem Personal der Kindertagesstätte ganz wichtig, ebenso wie eine gute Zusammenarbeit zwischen dem pastoralen und dem pädagogischen Personal der Pfarrgemeinde.

Auf jeden Fall aber müssen die Erzieherinnen religionspädagogisch arbeiten, das heißt Kinder mit biblischen Geschichten, Gebeten, Zeichen und Riten unseres Glaubens in Berührung bringen. Auch das macht den Unterschied zu nicht konfessionellen Einrichtungen aus.

Aber nicht nur die religionspädagogische Arbeit ist wichtig. Entscheidend ist, ob es gelingt, eine Atmosphäre zu schaffen, die christlichen Geist atmet und in der deshalb alle sich wohl fühlen können.

Pastorale Richtlinien

Weil die katholischen Kindertagesstätten eine so wichtige pastorale Chance darstellen, gibt es seit dem 2.12.2002 die Pastoralen Richtlinien für katholische Kindertagesstätten im Bistum Mainz. Während im Statut der Pfarrgemeinderäte nur pauschal beschrieben wird, der PGR "sorgt sich um die sozialen, ambulanten und stationären Einrichtungen" gehen die Pastoralen Richtlinien hier ins Detail. Die Beziehung zwischen Pfarrgemeinderat und Kindertagesstätte soll geprägt sein "von den Grundsätzen des Dialoges, der Vernetzung und der gegenseitigen Förderung." Ganz konkret formulieren die Richtlinien folgende Aufträge für die Pfarrgemeinderäte:

Auftrag

Als Standard für die Praxis des gegenseitigen Dialoges, der Vernetzung und Förderung zwischen Kindertageseinrichtung und Pfarrgemeinderat soll gelten:

Mindestens jährlich soll auf Einladung des Pfarrgemeinderates ein Gespräch mit Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern der Kindertageseinrichtung stattfinden. Es bietet die Gelegenheit, die Arbeit der Kindereinrichtung darzustellen, sie transparent zu machen und die Ziele und Konzeption weiterzuentwickeln. Im diesem Rahmen kann eine Verständigung über folgende Fragestellungen erfolgen:

  • Nach welchen Kriterien werden Kinder in die Kindertageseinrichtung der Pfarrgemeinde aufgenommen?
  • Welche Wünsche und Erwartungen haben die Mitarbeiter/-innen der Kindertageseinrichtung und Pfarrgemeinderat aneinander?
  • Wie wird das religiöse Leben von Kindern und Familien von der Kindertageseinrichtung und der Pfarrgemeinde gestaltet?
  • Welche hinführenden Materialien zum Gottesdienst gibt es in der Pfarrgemeinde und in der Kindertageseinrichtung?
  • Wie beteiligt sich die Pfarrgemeinde an Veranstaltungen der Kindertageseinrichtung und umgekehrt?
  • Wie können sich Kindertageseinrichtung und die Katholische Öffentliche Bücherei wechselseitig ergänzen?

 

Auftrag

Für den Austausch von Pfarrgemeinderat und Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern ist im Blick auf eine differenzierte familienorientierte Seelsorge folgendes zu beachten:

  • Gesprächs- und Begegnungsmöglichkeiten für Eltern von Kleinkindern in der Kindertageseinrichtung und in der Pfarrgemeinde sollen gefördert werden.
  • Begegnungsmöglichkeiten von Kindern außerhalb des Kindergartenalters sollen ermöglicht werden.
  • Die Einstellung und Praxis gegenüber Kindern in der Pfarrgemeinde, z. B. bei Gottesdiensten und Veranstaltungen soll überprüft werden.
  • Aus dem Kontakt mit Eltern der Kinder, die die Kindertageseinrichtung besuchen, sollen Angebote der Erwachsenenbildung entwickelt werden.

In den jungen Familien und in den Kindern liegt die Zukunft unserer Kirche. Eine Gemeinde, die missionarisch sein will. sollte dies im Blick haben.