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Bilder betrachten

Allgemeines

Glaube braucht Ausdrucksformen. Bilder spielen dabei eine besondere Rolle. In Bildern schlägt sich die Glaubenserfahrung des Künstlers nieder. Wenn man Bilder betrachtet, packt man sozusagen die Glaubenserfahrung aus, die der Künstler darin eingepackt hat.

leider steht es mit der Pflege des christlichen Bildes nicht unbedingt zum besten. Viele Bilder, die früher selbstverständlich in der Wohnung und in den Kinderzimmern hingen, sind verschwunden. Der Grund: Wir empfinden sie als kitschig:

z.B. die vielen Schutzengelbilder, wo der Engel das Kind vor der Schlange bewahrt oder vor dem Sturz in den Abgrund, die Bilder von der Heiligen Familie, die Herz - Jesu - Bilder, und vor allem die in der Volksfrömmigkeit so beliebten Marienbilder: Herz Maria, Maria mit der Träne, Maria mit dem Schwert des Schmerzes im Herzen, Maria im Rosengarten u. ä. All diese Bilder sind weitgehend verschwunden. Fatal an der ganzen Sache ist aber, daß nichts Neues an ihre Stelle getreten ist. Gott sei Dank ist das Problem erkannt, und in den letzten Jahren gibt es immer wieder Versuche, die christliche Bilderwelt wieder in die Familie hinein zu tragen. Erinnert sei an die Misereor - Hungertücher, an die Advents- und Fastenkalender, an das Bildmaterial von MISSIO. Allerdings hat sich die Art der Bilder gewandelt: Aus den Ölbildern sind Poster geworden.

Schuld an der Bilder - Misere ist nicht zuletzt die Kunst selbst, die sich so gibt, daß nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten sie verstehen kann: kubistisch, abstrakt, expressionistisch, und was alles noch man zur modernen Kunst zahlen mag.

Wie bereits ausgeführt, sind die heutigen Kinder sehr auf optische Reize fixiert, so daß der Einsatz von Bildern im Gottesdienst sich anbietet. Die Frage ist nur: welche Bilder?

Die Antwort auf diese Frage wird sehr stark vom persönlichen Geschmack bestimmt sein. Dennoch glaube ich, daß auch einige objektive Kriterien zur Bildauswahl beitragen können.

Je kleiner die Kinder sind, mit denen man ein Bild betrachtet, desto einfacher muß das Bild sein: klare Formen, klare Farben, durchschaubarer Inhalt. Dabei muß das Bild nicht unbedingt im ganzen eine einfache Struktur haben; die Einzelheiten müssen einfach sein. Die sehr beliebten Bilderbücher von Ah Mitgutsch z.B. haben im ganzen eine sehr komplizierte Struktur. Aber sie werden schon von kleinsten Kindern gern angeschaut; denn sie bestehen aus einer Vielzahl von sehr einfachen Einzeldarstellungen, die zu einem Gesamtbild zusammengesetzt sind.

Außerdem sollten Bilder für Kinder sich auf das Wesentliche konzentrieren. Kinder, die ja Glauben erst lernen sollen, können von sich aus noch nicht zwischen Wesentlichem und unwesentlichen Einzelheiten unterscheiden. Für ein typisches Beispiel einer Ver-bildung halte ich das Weihnachtsfest. Daß dieses Fest derart verkitscht und mißverstanden wird, liegt m.E. nicht zuletzt an den Weihnachtsbildern der letzten 100 Jahre. Hier gibt es so viele schöne, aber unwesentliche und vor allem nicht biblisch fundierte Einzelheiten, an denen die Menschen noch als Erwachsene hängen, die aber vom Sinn des Festes ablenken. Deshalb sollten Bilder, die man mit Kindern anschaut, Wesentliches aussagen.

Da ein Bild eine Art von Predigt ist, muß es auch den Kriterien einer Predigt genügen. Es muß also die Aussage des biblischen Textes exakt wiedergeben. Textaussage und Bildaussage müssen übereinstimmen.

Im Bereich der biblischen Bilder habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht mit der Reihe  ,,Was uns die Bibel erzählt” , die eigens für Kleinkinder gemacht sind. In Papierform und als Dias gibt es eine große Auswahl im Shop der Deutschen Bibelgesellschaft unter www.bibelonline.de.

Viele der Holzschnitte zur Bibel von Th. Zacharias lassen sich ohne weiteres schon bei sieben- und achtjährigen Kindern einsetzen.

Mit Kindern sehr gut anzuschauen sind mittelalterliche Bibelbilder, etwa aus Handschriften, von Kirchenfenstern, von Wandbildern. Denn diese mittelalterlichen Bilder richten sich an Menschen, die nicht lesen und schreiben können und denen deshalb der Inhalt der Bibel per Bild vermittelt werden muß. Und genau in dieser Situation befinden sich die Kinder. Allerdings muß man hier auch auswählen, denn man darf nicht vergessen, daß diese Bilder für Erwachsene gemalt sind.

Eine Art von Bildern sollte man in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Das sind Bilder, die die Kinder selber gemalt haben. Gerade für Kinder, die noch nicht oder erst sehr mühsam schreiben können, ist das Malen ein Fixierbäder Ausdruck dessen, was sie gerne sagen und aufheben möchten.

Bilder, die die Kinder selber gemalt haben, sind dann im Gottesdienst einsetzbar, wenn entweder die Kinder zur Vorbereitungsgruppe gehören oder wenn eine gute Zusammenarbeit mit dem Kindergarten erreicht ist. Wenn Kinderbilder im Kindergottesdienst gezeigt werden, sollten die jungen Künstler dabei sein und ihr Werk auch erklären, was Kinder meistens recht unbefangen tun.

 

Zur Technik

Wenn Bilder im Original gezeigt werden (z. B. Poster), müssen sie so groß sein, daß man von überall im Gottesdienstraum her erkennen kann, worum es sich handelt. Ist dies nicht der Fall, so müssen zur Bildbetrachtung die Kinder nach vorne gerufen werden, was allerdings viel Unruhe gibt und einer meditativen Haltung bei der Bildbetrachtung nicht unbedingt zuträglich ist.

Vermeiden sollte man es, jedem Kind das zu betrachtende Bild in die Hand zu geben. Dadurch konzentriert sich nämlich die Aufmerksamkeit des Kindes auf sein eigenes Bild. Außerdem müssen Einzelheiten, die zu besprechen sind, verbal beschrieben werden (Schaut euch mal die Figur an, die oben in der linken Bildecke ist, etwas unterhalb des Baumes). Das ist für Kinder schon sehr abstrakt. Viel einfacher ist es, wenn man auf einem zentralen Bild die Figur zeigen kann. Es ist durchaus aber möglich, ein großes Bild zu betrachten, und am Schluß den Kindern dieses Bild in Kleinformat mit nach Hause zu geben.

Bei der Projektion von Dias muß man darauf achten, daß der Gottesdienstraum zu diesem Zeitpunkt auch dunkel genug ist. Oder es muß ein lichtstarker Projektor zur Verfügung stehen. Wenn man also plant, am Abend um fünf Uhr ein Dia zu zeigen, sollte man auch mal um fünf Uhr in die Kirche gehen und prüfen, ob dann nicht genau die Sonne auf die Stelle scheint, an der die Leinwand stehen soll.

Prinzipiell gilt für den Einsatz des Diaprojektors wie für den Einsatz jedes anderen technischen Mediums im Gottesdienst: Der Prediger muß die Technik beherrschen. Der Prediger will ja einen Inhalt vermitteln. Deshalb darf er sich von der Technik nicht ablenken lassen und durch die Technik nicht seine Hörer ablenken.

Wenn bei einer Diaserie die Bilder rückwärts statt vorwärts transportiert werden, wenn die Bilder auf dem Kopf stehen, wenn der Prediger das Bild nicht scharf bekommt, dann sind das unnötige Pannen, die eine ganze Predigt verderben können.

Es ist wichtig, die Kinder dazu zu erziehen, genau hinzuschauen und zu sagen, was sie alles auf dem Bild sehen können. Erst wenn das Bild genau beschrieben ist, kann man zur Deutung übergehen. Kinder neigen nämlich dazu, das zu sagen, wovon sie glauben, daß der Katechet es gerne hört. So habe ich mal bei einer Betrachtung eines Bildes, das die versklavten Israeliten beim Städtebau in Ägypten zeigt, auf die Frage ,,was seht ihr" die Antwort erhalten: ,,Da ist Jesus; der schaut den Männern bei der Arbeit zu". Bei dem ,Jesus" handelte es sich um einen ägyptischen Aufseher, der eine Peitsche in der Hand hielt.

Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Ich habe einmal mit Schülern der sechsten (!) Klasse in der ersten Adventswoche den Zacharias - Holzschnitt ,,Bekehrung des Paulas" betrachtet, ein sehr schwieriges Bild. Auf die Frage ,,was seht ihr" erhielt ich die Antwort: ,,Maria und Josef und das Kind in der Krippe". Diese Antwort war ernst gemeint!

Deshalb soll immer das Bild zuerst genau beschrieben werden, ehe man an die Deutung geht. Also zuerst: Wir sehen auf dem Bild drei Männer. Sie gehen nebeneinander. Zwei von den Männern haben ein rotes Gewand an. Der in der Mitte geht, hat ein ganz helles Gewand an. Und dann erst: Wer könnten die Männer sein?