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Prinzipien, die bei der Gestaltung eines Kleinkindergottesdienstes berücksichtigt werden müssen

 

Es muß im Kleinkindergottesdienst ein Klima geschaffen werden, in dem auch selbst kleinste Kinder nicht stören. Wen sollten sie auch stören, es ist ja schließlich ihr Gottesdienst, und Kinder stören einander selten durch ihren Lärm und ihre Unruhe. Wer sich normalerweise im Gottesdienst gestört fühlt, sind ja die Erwachsenen.

1. Ohne Eltern geht es nicht

Diese Regel ist eigentlich einzusehen. Denn ein Kleinkind kann überhaupt nicht allein und von sich aus zu Gottesdiensten kommen. Seine Eltern müssen mit ihm hingehen. Allein aus diesem Grund ist es nicht möglich, Kleinkindergottesdienst an den Eltern vorbei zu machen. Eine Ausnahme würden hier Kleinkindergottesdienste bilden, die im Rahmen der Kindergartengruppen gestaltet werden. Aber auch bei diesen Gottesdiensten wäre es ratsam, Eltern mit einzubeziehen. Der Grund dafür ist schon im ersten Kapitel dargelegt: die Primärsozialisation. Wenn die Eltern die ersten und wichtigsten Glaubenszeugen für ihre Kinder sind, ist es sicher nicht sinnvoll, die Kinder an den Eltern vorbei (oder gar gegen den Willen der Eltern) zum Gottesdienst zu versammeln.

Wie im zweiten Kapitel über die Arbeit der Vorbereitungsgruppe bereits ausgeführt wurde, ist es aber auch sinnvoll, Eltern nicht erst im Gottesdienst selbst mit einzubeziehen. Vielmehr müßte es so sein, daß die Elterngruppe die tragende Säule der Vorbereitung ist.

Es ist auch sinnvoll, den Eltern kurz vor Beginn des Gottesdienstes eine kurze Einführung in den Ablauf zu geben und in die hinter diesem Ablauf stehende Theologie. Es soll deutlich werden, warum in diesem Gottesdienst dies oder jenes gemacht wird. So erhalten die Eltern gleichzeitig Anregung für die eigene religiöse Praxis mit ihren Kindern.

2. Kinder dürfen Kinder bleiben

Ohne eine echte innere Entscheidung, Kinder im Gottesdienst auch wirklich Kinder sein zu lassen, wird man nie einen guten Kleinkindergottesdienst machen können. Denn man muß sich mit voller Überzeugung auf die Persönlichkeitsstufe der Kleinkinder einstellen. Das bedeutet in erster Linie Rücksichtnahme auf den kindlichen Bewegungsdrang. Kleinkinder sind unruhig, sie müssen ständig ihrem motorischen Drang nachgeben, sie sind immer in Bewegung. Dieser Bewegungsdrang kann und muß bei der Gestaltung eines Kleinkindergottesdienstes auch als Element des Gottesdienstes genutzt werden.

3. Gottesdienst muß Gottesdienst bleiben

Bei aller Rücksichtnahme auf das Kind und seine Befindlichkeit darf man nie vergessen, daß das Anliegen ist, Gottesdienst zu feiern. Deshalb müssen die Grundstrukturen des Gottesdienstes eingehalten werden:

- Es muß Gottes Wort verkündet werden, wie es uns in der Hl. Schrift überliefert ist.

- Die Gemeinde der Mitliefernden muß auf die Verkündigung antworten in Gesang und Gebet.

- Das fürbittende Gebet darf nicht vergessen werden.

- Kreuzzeichen, Segen und Vater unser gehören unbedingt zu den Elementen eines Wortgottesdienstes.

4. Wechsel von Bewegung und Ruhe

Bei aller Berücksichtigung des kindlichen Bewegungsdranges braucht ein Gottesdienst auch Ruhe und Besinnung. Die meisten schlechten Kindergottesdienste gehen von der irrigen Annahme aus, Ruhe durch Disziplinierungsmaßnahmen erreichen zu können. Gewiß, wenn es allzu laut und schlimm wird, kann man auch schon einmal um Ruhe bitten oder die Kinder ermahnen. Was man dadurch erreicht, ist allerdings nur eine kurz anhaltende äußere Ruhe.

Eine innere Ruhe erreicht man dadurch, daß das, was verkündigt wird, in Inhalt und Sprache die Menschen trifft, in unserem Falle die Kinder.

Außerdem können die Kinder durch eine gute Planung des Gottesdienstablaufs auch zur Ruhe geführt werden. Dies erreicht man durch einen harmonischen Wechsel von lauten, bewegten mit leisen und besinnlichen Elementen.

In den lauten und bewegten Gottesdienstteilen kann es bisweilen ziemlich chaotisch zugehen; das ist es auch, was viele Seelsorger vor Kleinkindergottesdiensten zurückschrecken läßt. Aber wenn man nach diesen lauten und bewegten Teilen die Kinder zu Ruhepunkten führt, stellt sich die Ruhe (fast) immer von selbst ein. Beispiel: In einem Gottesdienst über Kreuz und Kreuzzeichen ließen wir die Kinder zu Beginn des Gottesdienstes die ganze Kirche durchstreifen, um zu suchen, wo überall Kreuze waren. Das waren turbulente Minuten; die Erwachsenen waren selbst überrascht, wo überall in der Kirche die Kinder Kreuze gefunden haben.

Danach konnten die Kinder in aller Ruhe ein kurzes Gespräch über das Kreuz führen. Es folgte eine etwas bewegtere Phase, in der die Kinder nach vorne kamen, um sich Holzstücke abzuholen. Dann gingen die Kinder wieder auf ihre Plätze und beschäftigten sich einige Minuten still damit, die Form des Kreuzes mit den Holzstücken nachzulegen.

5. Symbole

Alles, was man während des Studiums an präziser theologischer Formulierungskunst gelernt hat, kann man für den Kleinkindergottesdienst getrost vergessen. Denn das sind zumeist Abstraktionen, während Kinder bildlich denken. Deshalb ist das wichtigste Element der Verkündigung das Symbol, das dann schließlich gedeutet und vom Wort begleitet wird. Dies ist eine der wichtigsten Regeln für den Kleinkindergottesdienst: Symbole, Symbole, Symbole! Man kann Kindern nicht erklären, was ein Weg ist, man muß mit ihnen einen Weg gehen. Man kann Kindern nicht beschreiben, wie es ist, blind zu sein, man muß sie die Augen fest zumachen lassen und sie umherführen. Und wenn man bei der Vorbereitung zum Evangelium vom guten Hirten feststellt, daß die Kinder wahrscheinlich noch nie einen Hirten in Natur gesehen haben, dann muß man ihnen wenigstens einen Hirten zeigen, den sie schon einmal gesehen haben, nämlich den Hirten von der Weihnachtskrippe.

6. Kindgerechte Sprache

Zur Deutung und Erklärung der Symbole ist eine kindgerechte Sprache notwendig. Kindgerechte Sprache heißt nicht: rosarot, verniedlichend, versüßend. Wenn man aus dem guten Gott ein liebes Gottchen macht, so ist das nicht unbedingt kindgerecht gesprochen. Kindgerechte Sprache, das ist ein einfacher Wortschatz, Verzicht auf Fremdwörter und theologische Fachausdrücke. Kinder sprechen (und hören) vor allem in Hauptsätzen. Wenn es einmal Nebensätze gibt, dann ist das höchstens einer, und der ist an den Hauptsatz angehängt.

Man sollte sich immer vor Augen halten: In den Kleinkindergottesdienst kommen Kinder, die mit Mühe und Not Dreiwort- oder Vierwortsätze sprechen können.

Dementsprechend ist es notwendig, den Evangelientext in eine kindgerechte Sprache umzuschreiben. Eine gute Übung: Nehmen Sie das Evangelium des nächsten Sonntags. Versuchen Sie, das ganze Evangelium in Hauptsätzen zu erzählen.

Höchstens ein Nebensatz ist erlaubt. Natürlich können Sie das Evangelium auch aus einem Buch vorlesen. Steinwede und Neidhardt schreiben bisweilen gute biblische Geschichten. Aber dann werden Sie nie lernen, kindgemäß zu sprechen.

7. Kindgerechter Gesang

Ein Kindergottesdienst steht und fällt mit den Liedern. Beim Kleinkindergottesdienst muß man bedenken, daß die Kinder noch nicht lesen können. Die Lieder müssen also leicht lernbar sein. Sie müssen außerdem immer und immer wiederholt werden, bis sie sitzen. Die Melodie bewegt sich normalerweise im Fünftonraum, die Harmonien sind einfach. Vor allem aber muß das Singen Spaß machen. Natürlich ist dies nicht das einzige Kriterium. Auch der Text muß sinnvoll sein und dem entsprechen, was über kindgerechte Sprache gesagt wurde. Aber was nützt der sinnvollste Text, wenn die Melodie so langweilig ist, daß die Kinder dabei den Spaß verlieren und schon anfangen zu meutern, wenn man das Lied ansagt?

Man sollte auch darauf achten, solche Lieder zu suchen (oder zu machen), zu denen man sich bewegen kann, auf die man tanzen kann. Hier gibt es keine sonderlich große Auswahl. Deshalb ist hier auch die Kreativität der Vorbereitungsgruppe gefordert. Zumindest Rufe wird man mit einer einfachen Melodie versehen können.

Wo es möglich ist, können Kinder mit Orff'schen Instrumenten in den Gottesdienst einbezogen werden. Ganz unproblematisch ist das allerdings nicht. Mit Gitarrenbegleitung ist man flexibler. Wenn man z.B. merkt, daß die Kinder bei einem Lied ganz besonders begeistert sind, kann man einfach weiter singen oder noch eine Strophe drangingen. Oder wenn man merkt, daß nach einer bewegten Phase die Ruhe nicht einkehren will, kann man schnell noch ein Lied dazwischenschieben, wenn die Kinder es auswendig können. Das alles ist nicht möglich, wenn die ganze Musik im Kleinkindergottesdienst sich auf eine Orffgruppe stützt, die aus Kindern besteht. Man wird hier abwägen und Kompromisse finden müssen.

8. Berücksichtigung verschiedener Zielgruppen

In den Kleinkindergottesdiensten, die wir gehalten haben, hatten wir drei Zielgruppen: Eltern, kleinere Kinder und größere Kinder. Die größeren Kinder, das sind die Geschwister, die mit zum Kleinkindergottesdienst kommen. Alle anderen Gruppen hatten wir ausgeschaltet. Bei der Ankündigung der Kleinkindergottesdienste hatten wir immer gesagt: Erwachsenen ist die Teilnahme an diesem Gottesdienst nur in Begleitung eines Kindes gestattet. Und die Leute haben sich auch daran gehalten. Ganz Vorwitzige haben sich schon mal ein Kind von Nachbarn oder Bekannten ausgeborgt und sind mit ihm zum Kindergottesdienst gekommen. Aber solche Leute würde ich in diesem Fall zur Zielgruppe Eltern rechnen.

Für die Zielgruppe Eltern erfolgte, wie bereits oben angedeutet, vor dem Gottesdienstbeginn eine Einführung. Zwischen den einzelnen Gottesdienstelementen erfolgte je nach Bedarf eine kurze, predigtartige Erklärung. Dauer: höchstens eine Minute, weil es sonst für die kleinen Kinder schon wieder anfängt uninteressant zu werden.

Die Schwierigkeit ist, den Gottesdienst so zu gestalten, daß 2- und 3jährige Kinder begeistert mitmachen können, 5- und 6jährige aber nicht unterfordert sind und sich langweilen. Deshalb muß man darauf achten, eine gute Mischung zu schaffen zwischen symbolhaften Elementen, bei denen vor allem die Kleinen angesprochen sind, und eher gesprächsbetonten Elementen, die vor allem die Großen ansprechen. Selbst 3jährige Kinder bekommt man im Gottesdienst nur selten dazu, einmal im Gespräch eine Antwort zu geben.

9. Wiedererkennungselemente

So gut die Variationsmöglichkeiten in der Liturgie für Erwachsene sein mogen, so schlecht sind sie für kleine Kinder. Denn Kinder orientieren sich immer an Bekanntem. Hier liegt ein Handicap des Kindergottesdienstes in der Gemeinde gegenüber dem Kindergottesdienst im Kindergarten: Es gibt keine feste Gruppe. Die Teilnehmer am Gottesdienst fluktuieren. Nicht jeder besucht jeden Gottesdienst. Auch der Kirchenraum, in den die Kinder einmal im Monat kommen, ist ihnen im Endeffekt fremd. Und die handelnden Personen sind es ebenfalls. Deshalb müssen die Kinder im Milieu des Gottesdienstes beheimatet werden durch immer wiederkehrende Elemente und immer wiederkehrende Personen. Dadurch bekommen die Kinder etwas, das sie auch nach einem Monat noch wiedererkennen und das ihnen das Gefühl der Bekanntheit vermittelt.

Deshalb ist bei uns auch immer der Beginn des Gottesdienstes gleich: Einführung

- Kreuzzeichen - Lied: Gott liebt die Kinder. Am Schluß des Gottesdienstes steht immer das Vater unser und der Segen. Einige Lieder werden in allen Gottesdiensten gesungen. Auch die handelnden Personen übernehmen immer die gleiche Rolle. Eine bestimmte Person liest das Evangelium, eine andere hält die Katechese usw. Die Kinder merken sich so was. Beim dritten Kleinkindergottesdienst hat mich ein knapp 3jähriger Junge zur Begrüßung gefragt: Wo hast du denn deine Gitarre? Ich hatte sie nämlich aus Versehen in der Sakristei stehen lassen.

10. Verbindung zwischen den Gottesdiensten

Bei uns war der Kleinkindergottesdienst einmal im Monat. Dazwischen liegen für die Kinder so viele Erlebnisse. Deshalb ist es sinnvoll, Elemente aus dem vorherigen Gottesdienst wieder aufzugreifen, um die Kontinuität zu wahren.

Beispiele: Ein Lied, das im letzten Gottesdienst gelernt wurde, muß in den folgenden Gottesdiensten auf jeden Fall wieder gesungen werden. Oder: Im Advent werden Barbarazweige ins Wasser gestellt, die dann an Weihnachten dazu verwendet werden, die Krippe zu schmücken. Oder: Am ersten Fastensonntag wird ein Kreuz gebastelt, am Palmsonntag wird dieses Kreuz geschmückt.

11. Verbindung zwischen Gottesdienst und Zuhause

Kirche und Religion leiden sehr darunter, daß sie nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit darstellen. Zur Kirche gehört man, wie man zu einem Verein gehört. Sie umfaßt nicht mehr das ganze Leben. Dem muß entgegengewirkt werden. Deshalb haben wir immer versucht, Verbindungen zwischen dem Kindergottesdienst und dem häuslichen Kinderzimmer zu schaffen.

Etwa gehören die Textblätter dazu, die die Eltern mit nach Hause nehmen können. Manchen haben sie motiviert, die Lieder zuhause mit ihren Kindern zu singen. Oder wir haben die Kinder gebeten, von zuhause etwas mitzubringen, etwa Barbarazweige oder Blumen oder ein Lärminstrument. Oder wir haben den Kindern aus dem Gottesdienst etwas mit nach Hause gegeben: eine Kerze, ein Marienbild für ein Maialtärchen, Holzklötze für ein Kreuz.

12. Textblätter oder Verlaufsskizze

Wir haben in allen Gottesdiensten den Eltern (und auch den Kindern, obwohl sie ja noch nicht lesen können) ein Blatt in die Hand gegeben, auf dem der Verlauf des Gottesdienstes abgedruckt ist und die Texte der Lieder. So konnten die Eltern immer den Überblick behalten (Unkenntnis verunsichert!). Da diese Blätter mitgenommen werden durften, war auch zuhause der Gottesdienst mit seinen Liedern noch präsent, zumindest solange, bis die Blätter weggeworfen wurden.

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