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Sprechzeichnen - Allgemeines

Kinder von heute sind mediengewohnte Kinder. Schon seit frühester Kindheit sitzen sie vor dem Fernseher und bekommen hier eine perfekte Show geboten. Wenn ein Kind von seinem dritten bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr täglich nur eine Stunde vor dem Fernseher zubringt (und das ist niedrig gegriffen), dann hat es im Verlauf dieser 10 Jahre 3650 Stunden Fernsehen geschaut. Das sind 91 40-Stunden-Wochen oder zwei volle Arbeitsjahre!

Schlimmste Folgen dieser Überfütterung mit Fernsehen sind Konzentrationsschwächen, Fixierung auf optische Reize und vor allem Verarmung der Phantasie. Wenn jemand eine Geschichte hört oder liest, dann macht er sich Vorstellungen von dieser Geschichte, von den Orten, von den Personen. In seiner Phantasie entstehen Bilder zu dieser Geschichte. Durch das Fernsehen bekommt man die Bilder gleich mitgeliefert und ist der Arbeit der Phantasie enthoben. In dieser Tatsache liegt auch der Grund, weshalb den meisten Menschen die Verfilmung eines Buches nicht gefällt. Sie haben sich in ihrer Phantasie Bilder von diesem Buch gemacht. Und der Film bringt natürlich nicht diese Bilder, sondern andere.

Die Kinderpredigt darf meines Erachtens die audiovisuelle Reizüberflutung nicht mitmachen, indem nun auch verstärkt technische Medien, Filme und Video im Kindergottesdienst eingesetzt werden. Aber die Kinderpredigt muß mit der Tatsache rechnen, daß schon kleine Kinder auf visuelle Reize fixiert sind.

Daraus ergibt sich, daß in der Kinderpredigt Medien eingesetzt werden müssen, die dem Auge einen Anhaltspunkt geben. Aber es müssen solche Medien sein, die die Phantasie anregen, statt sie zu blockieren.

Also: einfache Medien, sparsam angewendet. Außerdem übt nach meinen Beobachtungen gerade das Einfache auf die mit Perfektion überfütterten Kinder einen Reiz aus.

Eine Möglichkeit eines einfachen Mediums ist das Sprechzeichnen. Grundlage des Sprechzeichnens ist eine einfache, flächige Kreidezeichnung auf einer Tafel, die der Erzähler während des Sprechens, quasi nebenbei, zeichnet. Das bedarf einer gewissen Übung, ist aber leicht erlernbar.

Die Figuren beim Sprechzeichnen sind schemenhaft. Sie sind eigentlich keine fertigen Bilder, sondern bieten noch genug Raum für das freie Spiel der Phantasie. Die Kinder können diese schemenhaften Figuren in ihrer Phantasie durchaus zu Bildern umformen.

Die Bilder, die beim Sprechzeichnen entstehen, sind Teil eines Kommunikationsaktes. Sie entstehen beim Sprechen, sie werden beim Hören angeschaut. Sie gewähren dem flüchtigen Wort etwas mehr Dauer.

Zwar können sprechgezeichnete Bilder durchaus einen gewissen künstlerischen Wert haben. Aber eigentlich sind sie nicht konservierbar. Denn zum Verstehen des Bildes gehören das Erzählen und das Hören. Ein fremder Betrachter wird diese Bilder im Letzten nie verstehen können, weil ihm wichtige Teile des Kommunikationsprozesses fehlen.

Je nach Platz auf der Tafel kann ein mehr oder weniger großes Bild gezeichnet werden oder auch eine Bilderfolge. Wichtig dabei ist, daß die Bilder die Hauptsache akzentuieren. Eine Sprechzeichnung ist immer so angelegt, daß die Bilder auch da liegen, wo die wesentlichen Elemente der Geschichte liegen.

Anwendungsmöglichkeiten

Eine Sprechzeichnung eignet sich besonders gut zur Illustrierung des Verlaufs einer Geschichte. So, wie die Geschichte wächst, wächst auch das Bild.

Auch Veränderungen können sichtbar gemacht werden, indem ein Teil des Bildes ausgewischt wird und etwas Neues an dessen Stelle gemalt wird.

Abstraktionen können mit Sprechzeichnen nicht dargestellt werden. Folglich eignet sich die Sprechzeichnung nicht, um etwa Ermahnungen der Paulusbriefe zu illustrieren, oder die Weisheitsliteratur des AT, oder die Gemeinderegeln des Matthäus.

Zur Technik

Aus der Schule sind wir gewohnt, daß mit Kreide auf die Tafel geschrieben wird. Beim Zeichnen wird die Kreide dementsprechend zu Strichzeichnungen verwendet, wie auf dem Papier ein Filzstift.

Beim Sprechzeichnen wird die Kreide flächig angewendet. Man zeichnet also nicht mit der Spitze der Kreide, sondern mit der ganzen Breitseite. So kann mit einer einzigen Handbewegung die Figurine entstehen, die Grundfigur aller Sprechzeichnungen.

Beim Zeichnen ,,wird die Längskante zum Gewanddreieck kräftig angesetzt und die Kreide beim Heruntergleiten in die Waagerechte gedreht. Dies erfordert einige Übung. Ein ,Kunststück' ist es keineswegs. Es ist unökonomisch, die Figur vorzuzeichnen. Sie soll unmittelbar aus der flächigen Führung der Kreide entstehen. Arme zeichnet man am besten mit der Kopfkante der Kreide.

Szenerie und Requisiten werden grundsätzlich mit der neutralen weißen Kreide gezeichnet. Die Auffassung etwa der romanischen Buchmalerei kann dabei Vorbild sein. Die Szene ist nur schauplatzbezeichnend und wird als knappes Zeichen gegeben.

Die Zeichen müssen auf jeden Fall immer eine formmäßig feste Struktur haben. Sie dürfen nicht vage, malerisch impressionistisch oder räumlich - perspektivisch sein.«

Entnommen aus: A. Riedl G. Stachel, Erzählen und Sprechzeichnen im Bibelunterricht, © Copyright 1975 by Benziger Verlag Zürich, Köln.

Im übrigen kommt es gar nicht so sehr darauf an, daß die einzelne Figurine exakt gezeichnet ist, so schön es auch wäre, wenn dies gelänge. Das Bild soll als Ganzes wirken, nicht die einzelne Figur.

Deshalb ist auch auf die Komposition des Bildes zu achten. Der Ungeübte wird sich am Anfang wohl die Bilder skizzieren und auch an der Tafel probieren. Zum Skizzieren eignen sich breite Plakatfilzschreiber, die dann ähnlich wie die Kreide gedreht werden können und so im Kleinen auf einem Blatt Papier Figurinen erzeugen können.

Voraussetzung dafür, im Kindergottesdienst das Medium der Sprechzeichnung anwenden zu können, ist, daß in der Kirche oder dem Gottesdienstraum eine Tafel zur Verfügung steht. Günstig sind fahrbare oder schiebbare Tafeln, wie sie in der Schule als Beistelltafeln verwendet werden.

Wer viel Geld hat, der kann sich eine solche Tafel bei einem der Lehrmittel - Verlage kaufen. Die Adressen dieser Verlage erfährt man in der nächsten Schule. Oft kann man aber auch von Schulen eine Tafel kaufen, wenn etwa das Inventar modernisiert wird, wenn alte Schulen aufgelöst werden, wenn Schulen in neue Gebäude umziehen, die dann meist auch neu ausgestattet sind.

Je nach Größe der Tafel fällt auch die Größe der Figurinen aus. Wenn man nur eine kleine Fläche zur Verfügung hat, muß die Kreide entsprechend gebrochen werden, so daß die Figurinen schmaler und kleiner werden.

Auf jeden Fall bekommt man vom Sprechzeichnen schmutzige Finger. Deshalb muß eine Möglichkeit vorhanden sein, wo man sich nach dem Zeichnen die Hände säubern kann: ein Eimer mit Wasser und ein Handtuch; ein feuchter Lappen tut es manchmal auch schon.

Beispiele

Die folgende Skizze stammt aus einem Karfreitag - Ostern - Zyklus. Im Prinzip kann man das Kreuzwegbild und das Osterbild auch einzeln anwenden. Mir scheint allerdings wichtig zu sein, daß die Verbindung zwischen den beiden Elementen hergestellt wird. Deshalb halte ich es für günstig, die beiden Bilder zu einem einzigen Bild zu kombinieren, vorausgesetzt, daß genügend Platz da ist. Denn die Kinder denken noch sehr gradlinig, und es scheint mir problematisch, die Einheit von Tod und Auferstehung auseinanderzureißen, zumal wohl in den wenigsten Gemeinden sowohl am Karfreitag als auch an Ostern ein Kindergottesdienst sein wird.

Einmal hatte ich bei der Erzählung nur eine sehr kleine Tafel zur Verfügung. Da habe ich auf die Vorderseite der Tafel den Kreuzweg gemalt, dann die Tafel umgedreht und das Osterbild auf die Rückseite gemalt. Wenn man genügend Platz hat, beide Bilder zu kombinieren, kann das Kreuz auf dem Berg im Osterbild wegfallen.

Die Farben: Die Jesus - Figurine rot; das Kreuz braun; die Freunde Jesu blau; Richterstuhl und Weg weiß; das Grab braun; Sonne und Engel gelb.

Das Grab wird zuerst offen gemalt. Erst wenn es heißt: Da wälzten sie einen Stein vor den Eingang, wird auch der Eingang mit der braunen Farbe geschlossen. Wenn die Frauen sich wundern, daß der Stein weg ist, wird mit einem Tuch die braune Farbe vom Eingang weggewischt. Wenn der Engel die Botschaft sagt:

Jesus lebt, er ist nicht mehr hier, wird das Grab mit der gelben Farbe ausgefüllt (Symbolik: Sonne, Engel, Auferstehung).

Erzähltext dazu etwa so:

Nach dem Abendmahl geht Jesus mit seinen Jüngern in einen Garten. Dort will er beten. Aber es kommen plötzlich Soldaten. Sie nehmen Jesus gefangen und fesseln ihn. Dann führen sie ihn zu Pilatus. Pilatus ist ein mächtiger Mann in Jerusalem. Er sitzt auf einem prächtigen Richterstuhl. Denn er ist der Vertreter des Kaisers in Rom. Er darf im Auftrag des Kaisers Gericht halten in Jerusalem. (Pilatus mit Richterstuhl malen)

Pilatus fragt die Leute: Was hat dieser Mann getan? Sie sagen: Er tut so, als wäre er der König der Juden. Pilatus denkt: Dem werde ich schon zeigen, was ein König ist. Und er ruft seine Soldaten: He, ruft er, ihr Soldaten. Kommt her! Dieser Mann sagt, er wäre der König der Juden. Nehmt ihn mit in eure Kaserne und macht ihm klar, daß er kein König ist.

Die Soldaten nehmen Jesus mit in den Hof ihrer Kaserne. Dort schlagen sie ihn mit Ruten. Sie setzten ihm auch einen Kranz auf den Kopf. Der ist aus Dornenzweigen gemacht. Sie rufen: Da hast du deine Krone, du König der Juden. Sie ziehen ihm einen Soldatenmantel an und rufen: Da hast du dein Königskleid. Und sie geben ihm eine alte Stange in die Hand und rufen: Da hast du deinen Königsstab, du König der Juden.

(Jesus zeichnen)

Dann bringen sie Jesus wieder zu Pilatus. Pilatus ruft zu den Leuten: Hier ist euer König. Die Leute schreien: Er ist nicht unser König. Ans Kreuz mit ihm. Da sagt Pilatus: Ich finde, der Mann hat eigentlich nichts Böses getan. Aber wenn ihr unbedingt wollt, dann nehmt ihn und kreuzigt ihn.

Vom Haus des Pilatus führt ein Weg durch die Stadt Jerusalem bis hinauf auf den Berg Golgotha. Dort oben richten die Juden ihre Verbrecher hin. (Weg zeichnen)

Diesen Weg muß Jesus jetzt gehen. Die Soldaten bringen ein großes Kreuz. Das geben sie Jesus. Er muß es tragen . Und dann zieht der Zug los. Am Straßenrand stehen viele Leute. Sie wollen sehen, was da los ist. Auch Maria, die Mutter Jesu steht am Rand. Sie ist sehr traurig. Jesus geht zu ihr hin und will sie trösten. Aber die Soldaten reißen ihn weg und treiben ihn weiter.

Es ist sehr heiß. Jesus ist müde. Denn das Kreuz ist sehr schwer. Da stolpert Jesus und fällt hin. Und das schwere Kreuz fällt auf ihn drauf. Er ist so müde und will am liebsten liegen bleiben. Aber die Soldaten ziehen ihn hoch und treiben ihn weiter an.

Jesus geht schon ganz krumm. Soldaten merken, daß er fast nicht mehr weiter kann. Da greifen sie sich einfach einen von den Zuschauern. Sie sagen: He, du, du bist kräftig. Hilf dem Mann hier mal, das Kreuz zu tragen. Der kommt ja gar nicht mehr weiter.

Der Mann, den die Soldaten gerufen haben, heißt Simon. Er stammt aus Cyrene in Afrika. Er kommt und packt das Kreuz mit an. So hilft der schwarze Mann aus Afrika, Jesus das Kreuz zu tragen.

Als sie auf dem Berg angekommen sind, nageln die Soldaten Jesus an das Kreuz. Dann richten sie das Kreuz auf. Bei dem Kreuz stehen zwei Menschen. Da ist Maria, die Mutter Jesu. Der andere ist Johannes, der Jünger, den er besonders lieb gehabt hat.

Auf einmal ruft Jesus laut: Es ist vollbracht. Dann fällt sein Kopf auf die Brust, und er ist tot.

Die Freunde Jesu nehmen seinen Leichnam vom Kreuz runter. Sie sagen: Was sollen wir nur machen? Es ist schon spät. Wir können Jesus nicht mehr richtig begraben. Und morgen ist ein Feiertag. Da dürfen keine Begräbnisse sein . Da sagt einer: Ich habe eine Idee. Ich habe hier in der Nähe einen Garten. Da drin hab ich mir ein Grab in den Felsen hauen lassen, wo ich später selbst einmal begraben werden will. In dieses Grab können wir Jesus legen. Und wenn der Feiertag vorbei ist, begraben wir ihn richtig. (Grabhöhle malen)

So machen sie es dann auch. Sie legen Jesus in das Grab. Dann wälzen sie einen schweren Stein vor den Eingang des Grabes und gehen weg. (Grabeingang mit brauner Farbe zu malen)

Zwei Tage später ist der Feiertag vorbei. Die Sonne geht auf (gelbe Sonne malen). Da gehen drei Frauen zum Grab. Es ist Maria, die Mutter Jesu, und noch eine andere Maria aus Magdala. Die dritte Frau heißt Salome. Sie haben Flaschen mit O~ dabei und Körbe mit Kräutern. Sie wollen den Leichnam Jesu fürs Begräbnis fertig machen, so wie es bei den Juden Sitte ist.

Unterwegs unterhalten sie sich. Sie sagen: Wer wird uns nur den schweren Stein vom Eingang des Grabes wegtun. Alleine können wir das bestimmt nicht.

Als sie zum Grab kommen, erleben sie eine große Überraschung. Das Grab steht offen. Der Stein ist schon weg gewälzt. (Braune Farbe vom Grabeingang wegwischen) Und dann sehen sie einen Mann mit einem leuchtenden Gewand. (Gelben Engel malen)

Er sagt: Was sucht ihr denn Jesus hier bei den Toten? Jesus ist nicht tot. Er lebt. Er ist auferstanden vom Tod. Das Grab ist leer. (Grabeingang mit gelber Farbe ausfüllen) Lauft schnell nach Jerusalem und sagt es den Jüngern: Jesus lebt.