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Predigt mit einem Zeichen oder Gegenstand

Allgemeines

Bei einer Zeichenpredigt bringt der Prediger einen Gegenstand mit. Dies kann ein Gegenstand aus dem Alltagsleben sein. Es ist allerdings auch möglich, selbst entwickelte Zeichen mitzubringen, etwa Verkehrszeichen für den Christen. An diesem mitgebrachten Gegenstand wird der Inhalt der Verkündigung sozusagen aufgehängt. Die Zeichenpredigt liegt also vor dem Evangelium, sie führt zum Evangelium hin.

,Die Gegenstände sind ein optischer Anreiz. Sie geben dem Auge einen Anhaltspunkt, an dem es sich festmachen kann. Und sie sind damit eine Stütze für das Gedächtnis, besonders, wenn der Gegenstand während des ganzen Gottesdienstes bleibt.

 

Zeichenpredigten haben auch den Vorteil, daß sie jedem Alter etwas geben. Dies ist besonders dann wichtig, wenn im Gottesdienst verschiedene Altersgruppen vertreten sind. Und das ist gerade im Kleinkindergottesdienst immer der Fall. Kinder haben zu dem Gegenstand ihre Assoziationen, die Erwachsenen haben wohl andere Assoziationen, die wiederum von ihrer Lebenserfahrung geprägt sind.

Mit den Zeichenpredigten wird eine Art der Verkündigung aufgegriffen, die wohl auch ureigenste Art der Verkündigung Jesu war. Er hat an alltägliche Situationen, alltägliche Gegenstände angeknüpft und hat versucht, dadurch etwas über das Reich Gottes deutlich zu machen: der Sämann auf dem Feld, die spielenden Kinder auf dem Markt, das kleine Senfkorn, die Lampen mit dem Öl, der Weinberg. So sind Zeichenpredigten eine gute Vorbereitung auf die Meditation, ja sie sind sogar selbst eine Art von Meditation. Die Dinge werden hintergründig. Man lernt, von der oberflächlichen Anschauung der Dinge weg in die Tiefe zu gehen. So lassen Zeichenpredigten die Antenne für die Meditation wachsen.

Für den Fall, daß keine Alltagsgegenstände verwendet werden, lassen sich auch in der Vorbereitung der Zeichenpredigt Kinder aktivieren. Sollen etwa am Bild der Mauer zwischenmenschliche Probleme veranschaulicht werden, kann man mit einer Kindergruppe die Mauersteine basteln (lassen).

Anwendungsmöglichkeiten

Zeichenpredigten können verwendet werden, wenn es darum geht, Sachverhalte zu verdeutlichen. Sie eignen sich nicht dazu, eine Geschichte zu illustrieren.

Zeichenpredigten können auch dazu verwendet werden, ein Problem zu verdeutlichen, das im Evangelium angesprochen wird.

Wenn der Text des Evangeliums als solcher schon bildhaft ist, sollte man keine anderen Zeichen verwenden, um dieses Bild zu erklären.

Grundregeln

Der ausgewählte Gegenstand muß während der ganzen Predigt durchgehalten werden. Oft hat man zu einem Thema mehrere Ideen. Dann tut man sich schwer, alle anderen Möglichkeiten zugunsten einer einzigen fallen zu lassen. Oder aber es stellt sich heraus, daß das Zeichen zwar zu einem Aspekt des Themas aussagekräftig ist, zu einem anderen Aspekt aber nicht. Folglich versucht man, diesen anderen Aspekt vermittels einer anderen Möglichkeit deutlich zu machen.

Darunter leidet allerdings die Klarheit der Darstellung. Die Kinder werden eher verwirrt von der Vielzahl der angebotenen Möglichkeiten und Gedanken.

Es ist deshalb besser, eine Idee gründlich auszuschöpfen, als die Kinder durch mehrere halbfertige Ideen zu verwirren.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen. Eine Zeichenpredigt kann sehr wohl über die menschliche Hand gehen. Die Kinder wissen, was man mit einer Hand alles machen kann: Man kann damit Böses tun, gewalttätig sein, schlagen, kratzen, boxen, Stöcke und Pistolen damit halten. Man kann mit der Hand aber auch Gutes tun, streicheln, trösten, Gebeugten aufhelfen, Kranke pflegen. Hier liegt dann sicher die Möglichkeit, zu erklären, daß die Hände des Christen gute Hände sein sollen, wie Jesus mit seinen Händen Gutes getan hat. Auch die Möglichkeit des Überstiegs zum Thema ,,Gott hält uns alle in seiner Hand" ist durchaus gegeben. So kann man eine sehr schöne Predigt mit einem klaren Gedankengang entwickeln. Selbst wenn die Kinder gute und böse Tätigkeiten der menschlichen Hand ungeordnet und durcheinander aufzählen, hat der Prediger die Möglichkeit, in einer Zusammenfassung die Beiträge der Kinder zu ordnen.

Ich habe einmal erlebt, daß ein Prediger zur ,,Vertiefung und zur Veranschaulichung" bei diesem Thema noch andere Gegenstände eingesetzt hat. Die bösen Tätigkeiten der menschlichen Hand wurden noch einmal dargestellt durch einen Stock, durch ein Messer und diverses Kriegsspielzeug. Die guten Tätigkeiten der menschlichen Hand wurden durch Dias aus dem karitativen Bereich veranschaulicht. Auf diese Weise wurde eine an sich gute und klare Predigt wirkungslos gemacht.

Eine weitere Grundregel besagt, daß der Gegenstand während des ganzen Gottesdienstes sichtbar sein soll. Der sichtbare Gegenstand hält die Erinnerung an das Gesagte wach, besonders dann, wenn sich Gebete und Lieder noch einmal darauf beziehen.

Eine Zeichenpredigt sollte nach Möglichkeit im Wechselgespräch zwischen Prediger und Kinder gehalten werden. Gerade dadurch werden ja die Kinder zum eigenen Nachdenken und zur Meditation geführt. Aber die Zeichenpredigt bietet auch in einem größeren Rahmen, wo ein Dialog mit den Kindern nicht möglich ist, die Gelegenheit zu einer ,,anschaulichen" Predigt.

Bei der Zeichenpredigt gilt in besonderem Maße das, was eigentlich für jede Predigt gilt: Positiv predigen! Der Schluß, der aus der Predigt gezogen wird, muß immer heißen: So wie bei diesem Gegenstand ist es auch mit Gott oder den Christen oder dem Gottesreich. Es darf nie heißen: So wie bei diesem Gegenstand ist es nicht. Denn die Zeichen als solche sind sehr einprägsam, und man muß aufpassen, daß sich kein negatives Zeichen bei den Kindern festsetzt.

Willi Hoffsümmer (in: 133 Kinderpredigten, Mainz 41983) verdeutlicht dies am Beispiel eines Hampelmanns. Ein Hampelmann ist in seinen Bewegungen sehr eingeschränkt. Er kann nur bestimmte Bewegungen machen, und diese macht er nur, wenn einer unten dran zieht. So ist der Mensch nicht vor Gott. Wir sind keine Hampelmänner, bei denen Gott nur an der Schnur ziehen muß. Jeder Mensch hat die Freiheit, Gutes und Böses zu tun.

Zwar ist dieser Gedankengang durchaus verständlich und logisch. Aber er ist negativ. So besteht die Gefahr, daß sich beim Kind das Bild Gott – Mensch - Hampelmann einprägt.